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Orgelrestaurierung

Über die Instandsetzung (Sanierung) einer Orgel hinaus, bedeutet die Restaurierung die Wiederherstellung des Instrumentes in ihrem angemessenen Kulturwert (Lesbarkeit).
Nach der Befundfeststellung und Recherche wird in Abstimmung mit den zuständigen Gremien (Orgelsachverständiger, Eigentümer, Institutionen der Denkmalpflege) ein Restaurierungskonzept erstellt. Es respektiert den historischen und den gewachsenen Bestand.
Die Rekonstruktion fehlender Teile erfordert ein besonderes handwerkliches Geschick und fundiertes Wissen über die Bauweise der Entstehungszeit und des Orgelbauers.
Der vorgefundene Zustand und die durchgeführten Restaurierungsarbeiten werden durch eine ausführliche Dokumentation transparent gemacht und für nachgehende Arbeiten am Instrument belegt.


Schimmelpilze in Kirchen

Die Innenräume von Kirchen und damit auch die Orgeln sind zunehmend von Schimmelpilzbefall betroffen. Schimmelpilze wachsen bevorzugt an dunklen Stellen und sind deshalb nicht auf den ersten Blick feststellbar.

Warum treten Schimmelpilze vermehrt auf?
Die hohen Energiepreise und die angespannte finanzielle Situation zwingen viele Kirchengemeinden, die Kirchenräume nur noch äußerst sparsam, das heißt nur noch so kurz wie möglich zu beheizen.
In vielen Kirchengemeinden gibt es keinen hauptberuflichen Küster oder Kirchwart mehr. Deren Arbeit wird zunehmend durch die ehrenamtliche Arbeit von Gemeindemitgliedern verrichtet, die nur noch zu den Gottesdienstzeiten anwesend sind. Ein behutsames Heizen und ein ausreichendes Lüften der Kirche nach den Gottesdiensten unterbleiben.

Wie entstehen Schimmelpilze?
Das Entstehen und das Wachstum der Schimmelpilze stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Heizen und Lüften der Kirche. Durch zu kurzfristiges und kräftiges Heizen des Raumes kann die Taupunkttemperatur unterschritten werden. Die Taupunkttemperatur ist die Temperatur, bei der die in der Innenluft enthaltene Luftfeuchtigkeit mit den noch kalten Oberflächen in der Kirche, also auch mit den kalten Holz- und Metalloberflächen der Orgel, zu Wasser kondensiert, d.h. Tröpfchen bildet. Zusätzliche Feuchtigkeit wird durch die Besucher in die Kirche hineingetragen (pro Person immerhin etwa 40 gr. Wasser stündlich durch Atmung und Verdunstung. Noch nicht hinzugerechnet ist die Feuchtigkeit durch feuchte Kleidung und nasse Schuhe!). In der Regel wird nach den Gottesdiensten nicht ausreichend gelüftet. Dadurch bleibt die zusätzliche Feuchtigkeit im Raum. Wird die Heizung unmittelbar danach wieder ganz abgestellt, fällt die Raumtemperatur schnell ab und der Taupunkt wird erneut unterschritten. Dadurch kondensiert die Feuchtigkeit erneut. Auf den feuchten organischen Oberflächen wachsen Schimmelpilze, die sich durch Sporen immer weiter in der Kirche ausbreiten. Je kleiner das Raumvolumen der Kirche ist, desto gravierender und unmittelbarer wirkt sich der Luftfeuchteanstieg aus. Auch neue, winddichte Isolierfenster und -türen tragen zu der ungünstigen Raumluftsituation bei. Durch die alten, etwas undichten Fenster und Türen kam es permanent zu einem natürlichen Luftaustausch.

Wo siedeln Schimmelpilze und welche Wirkung haben sie?
Die meisten Schimmelpilze brauchen zum Wachstum eine relative Luftfeuchtigkeit von mehr als 60%, Windstille und Dunkelheit. Schimmelpilze besiedeln alle organischen Materialien, also Holz, Malmaterialien, Wandfarben, Leder. Wenn genügend Staub vorhanden ist, verbreitet sich Schimmel auch auf Flächen, auf denen sonst kein Schimmel zu finden wäre. Eine große Gefahr sind Schimmelpilze für das Innenleben der Orgel. Ohne dass es auf den ersten Blick sichtbar wäre, sind die Holzpfeifen, Windkanäle und Windladen im Inneren besiedelt. Leime und Leder werden angegriffen, die Leimfugen gehen auseinander und das wertvolle Instrument wird zerstört.

Darüber hinaus sind die Sporen der Schimmelpilze für Menschen gefährlich, deren Immunsystem bereits geschwächt ist.

Angeschimmelte Holzpfeifen Starker Schimmelpilzbefall in einer Windlade

Wie kann man Schimmelpilzbefall vorbeugen?
Jeder Kirchenraum reagiert je nach Bausubstanz, Mauerfeuchte, Raumluftvolumen und Heizungsart unterschiedlich auf das Heizen und Lüften. Bereits einige wenige überlegte Maßnahmen und Handgriffe genügen, um die Schimmelpilzbildung zu vermeiden.

Ideal wäre es, wenn während der Winterzeit eine gewisse Grundtemperatur in der Kirche zu halten (8-10°C). Das Temperaturempfinden für die Besucher ist deutlich angenehmer, wenn die Wände nicht ganz ausgekühlt sind. Durch ein rechtzeitiges und langsames Aufheizen der Kirche auf max. 15°C (Anheizen ab Samstagvormittag für einen Gottesdienst am Sonntagvormittag, Temperaturanstieg um 0,2°C pro Stunde), verhindert man, dass die Taupunkttemperatur unterschritten wird. Ist die Kirche ganz ausgekühlt, muss mit dem Heizen entsprechend früher begonnen werden. Ein Rechenexempel: Bei Innentemperaturen um den Gefrierpunkt muss schon 75 Stunden vorher zu Heizen begonnen werden! (15°C Endtemperatur dividiert durch 0,2°C pro Stunde, bei 12°C Endtemperatur reichen bereits 60 Stunden Aufheizzeit). Die Heizung muss nach den Gottesdiensten genauso langsam wieder auf die Ausgangstemperatur zurückgefahren werden, wie sie hochgefahren wurde, damit eine erneute Unterschreitung der Taupunkttemperatur vermieden wird.

Nach den Gottesdiensten und Veranstaltungen muss gut gelüftet werden, damit sich die Luft ganz austauschen kann. Man macht alle Türen und Fenster auf und stellt so einen Durchzug her. Im Winter nur etwa 10-15 Minuten, damit das Mobiliar nicht zu stark auskühlt, im Sommer dagegen bis zu einer Stunde.

Das Belüften baulich feuchter Kirchen geschieht zweckmäßigerweise im Sommer nur während der Früh- und Abendstunden. Tagsüber ist die Außenluft deutlich wärmer, kann also deutlich mehr Feuchtigkeit binden. Kommt diese warme Luft in die Kirche, kann die kühle Innenluft der Kirche diese Feuchtigkeit nicht mehr aufnehmen. In der Folge steigt die relative Luftfeuchtigkeit im kühleren Kirchenraum stark an und begünstigt das Schimmelwachstum. Beim Lüften an Gewittertagen im Sommer kann es in der Kirche zur Tauwasserbildung an den kühleren Oberflächen kommen.

Die Temperatur und Luftfeuchte sollten regelmäßig mit einem ein Thermo-/Hygrometer mit Taupunktanzeige kontrolliert werden, damit man ein Gespür dafür entwickeln kann. Die elektronischen Messgeräte sind mittlerweile handlich klein und einfach zu bedienen. Sie sind im Fachhandel für knapp ¤ 150.- erhältlich.

Sieht sich eine Kirchengemeinde nicht in der Lage, diese Vorkehrungen zu gewährleisten, ist es empfehlenswert, die Kirche während der kalten Jahreszeit nicht mehr zu nutzen und in einen Gemeindesaal auszuweichen. Dadurch schonen Sie das wertvolle Inventar und vermeiden erhebliche Folgekosten für die Beseitigung der Schäden.